Feldschwächung: Erweiterung des Motordrehzahlbereichs

Was ist Feldschwächung?

Feldschwächung (Field Weakening) ist eine Technik, die den Betriebsdrehzahlbereich eines Permanentmagnet-Motors über seine Bemessungsdrehzahl hinaus erweitert. Dabei wird das effektive Magnetfeld des Rotors schrittweise reduziert — auf Kosten des verfügbaren Drehmoments wird zusätzliche Drehzahl gewonnen.

Warum ist das wichtig?

Jeder Permanentmagnet-Motor hat eine natürliche Drehzahlobergrenze, die durch seine Gegen-EMK-Konstante und die Versorgungsspannung bestimmt wird. Oberhalb dieser Drehzahl entspricht die erzeugte Gegen-EMK der Busspannung, und es kann kein weiterer Strom in den Motor eingespeist werden.

Feldschwächung hebt diese Grenze an und ermöglicht Anwendungen wie:

  • In-Wheel-Motoren in Elektrofahrzeugen, die sowohl hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl als auch hohe Geschwindigkeit benötigen
  • Spindelantriebe, die einen breiten Drehzahlbereich ohne Getriebewechsel erfordern
  • Schnelle Verfahrbewegungen in der Automatisierung
  • Getriebelose Direktantriebe, bei denen der mechanische Drehzahlbereich maximiert werden muss

Wie funktioniert es?

In einem PMSM erzeugen die Permanentmagnete des Rotors ein konstantes Magnetfeld. Im normalen FOC-Betrieb wird die Direktstromkomponente (Id) auf null gehalten, um die Drehmoment-Effizienz zu maximieren.

Feldschwächung injiziert gezielt eine negative Id-Komponente — ein Magnetfeld, das den Rotormagneten teilweise entgegenwirkt. Dies reduziert den effektiven Fluss, senkt die Gegen-EMK bei einer gegebenen Drehzahl und ermöglicht dem Motor, weiter zu beschleunigen.

Drei Parameter steuern das Verhalten:

  • Startdrehzahl — die Drehzahl, ab der die Feldschwächung einsetzt
  • Enddrehzahl — die Drehzahl, bei der die maximale Feldschwächung erreicht ist
  • Prozentsatz — der Grad der Feldreduzierung

Die Reduzierung wird linear zwischen Start- und Enddrehzahl angewandt. Werte über 25 % können zu Instabilität führen.

Wichtig: Feldschwächung ist ein Experten-Feature. Falsche Einstellungen können verursachen:

  • Entmagnetisierung des Motors (permanenter Schaden)
  • Überhitzung durch erhöhte Verluste
  • Gefährliche Überspannung, wenn der Antrieb bei hoher Drehzahl abgeschaltet wird (Gegen-EMK kann die Busspannung übersteigen)

Die Gegen-EMK-Spannung darf 80 V Peak niemals überschreiten. Geschwindigkeits- oder Positionsregelung wird empfohlen — Drehmomentregelung mit Feldschwächung kann zu unkontrollierter Beschleunigung führen.

Wie setzt SOMANET das um?

Auf SOMANET Antrieben wird Feldschwächung über das Torque Controller Object (0x2010, Subindizes 4–7) konfiguriert — per OBLAC Drives oder direkt über das Object Dictionary. Die Funktion ist auf allen SOMANET-Plattformen verfügbar, die PMSM-Motoren unterstützen.

Angesichts der Risiken empfiehlt Synapticon, vor dem Produktiveinsatz gründliche Tests mit aktivierten Sicherheitsfunktionen (SLS, SMS) durchzuführen.

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